«Cannes ist das wichtigste Festival, das ich kenne»
Exklusives Interview mit dem Schweizer Star-Werber Rocky Albula*.
Persoenlich.com: Herr Albula, Sie gelten als der bedeutendste Schweizer Werber seit Gründung des ADC. In Cannes vertreten Sie dieses Jahr unser Land. Wie beurteilen Sie den Stellenwert des
Festivals?
Rocky Albula: Es ist das wichtigste Festival, das ich kenne. Die Gründer fanden 1954 völlig zurecht, dass Werbefilme gleich viel Aufmerksamkeit verdienen wie die grossen
Hollywood-Streifen. 187 Spots wurden bei der ersten Austragung vor 55 Jahren beurteilt, im letzten Jahr waren es nicht weniger als 22'600 Arbeiten. Unglaublich!
Das klingt nach einer cleveren Geschäftsidee. Trotzdem sagen gewisse Spötter, die Werber-Gilde würden im Windschatten der Hollywood-Stars an die Côte d'Azur pilgern, um sich gegenseitig auf die
Schultern zu klopfen. Sehen Sie das auch so?
Wer solchen Blödsinn behauptet, war wahrscheinlich noch nie auf der Croisette. Und wenn sich jemand aus der Schweiz über Cannes lächerlich macht, wird es vollends peinlich.
Wurden Sie denn wie ein Hollywood-Star auf dem roten Teppich empfangen und auf Schritt und Tritt von Papparazzi verfolgt?
Auf diese Frage möchte ich nicht antworten, sorry.
Es wird gesagt, Sie hätten keine Starallüren. Im Gegenteil, Sie würden sogar damit kokettieren, der kleinste Werber der Welt zu sein...
Falsch! Die kleinste Agentur, nicht der kleinste Werber. Der kleinste Werber ist jemand anderes.
Trotzdem sitzen Sie in der wichtigsten Jury der Branche. Wie erholen Sie sich nach einem anstrengenden Tag im Palais des Festivals et des Congrès?
Ganz sicher sitze ich nicht in der gleichen Bar wie Quentin Tarantino oder Penélope Cruz, um ein paar Drinks zu kippen. Solche Behauptungen sind völlig aus der Luft gegriffen.
Sondern?
Ich gehe zurück ins Hotel, checke im Internet-Corner kurz meine Mails und lese die neuste Kolumne auf persoenlich.com. Dann gehe ich so früh wie möglich schlafen, um am nächsten Morgen
wieder topfit zu sein.
Dann stimmt es also nicht, dass Sie sich mit dem Türsteher geprügelt, ein Kind adoptiert oder sich mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd geliefert haben? Haben Sie wenigstens Ihr Hotelzimmer
verwüstet, um in die Schlagzeilen zu kommen?
Nein, wieso sollte ich so etwas tun? Man sollte nicht immer alles glauben, was von so genannten Spezialisten alles geschrieben wird.
Herr Albula, vielen Dank für dieses interessante Gespräch und gute Rückreise in die Schweiz.
*Unter dem Pseudonym «Rocky Albula» erschien am 19. Juni 2009 ein Kommentar zum Beitrag «Im Windschatten der Hollywood-Stars». Das hier publizierte fiktive Interview ist der Versuch, dem anonymen Absender und seinem Anliegen eine Stimme zu geben. (Der Kommentar wurde unterdessen von der Redaktion gelöscht, da die Identität des Verfassers nicht zweifelsfreifrei geklärt werden konnte. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind deshalb rein zufällig.)
Diese Kolumne erschien am 25. Juni 2009 auf persoenlich.com
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